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Author Okular-Infos
Hani Andreas Ibrahim

2006-12-27, 7:04 pm




Okularwahl

Neben der Frage welches Teleskop denn das Richtige oder ein Gutes ist,=20
besch=E4ftigt den Astronomen die Frage nach den richtigen Okularen. Und=20
das zu recht. Gerade die Anzahl der Okulartypen und deren=20
unterschiedliche Eigenschaften und Qualit=E4ten machen die richtige Wahl =

schwer. Hinzu kommt noch die Kompartibilit=E4t zwischen Teleskop und=20
Okular, die nicht immer gegeben ist, sowie pers=F6nliches Empfinden.

Hieraus ergibt sich, dass man pauschale Empfehlungen selten ernsthaft=20
aussprechen kann.

Wirklich empfehlen kann man nur, das Okular der Begierde selbst am=20
eigenen Teleskop zu testen und sich hierf=FCr ausreichend Zeit zu nehmen.=
=20
Nur so wird man wirklich wissen, ob das Okular den eigenen Vorstellungen =

und Bed=FCrfnissen entspricht und mit dem eingesetzten Teleskop harmonier=
t.

Dennoch m=F6chte ich hier ein paar grunds=E4tzliche Aussagen machen, Tipp=
s=20
und Anregungen geben, welche bei der Auswahl helfen k=F6nnen.

Wichtige Aspekte bei der Okularwahl:

Das Okularsteckma=DF
Normale Okulare gibt es in 3 Steckma=DFen: 0,96", 1,25" und 2".
Die Kleinsten sind nicht mehr zeitgem=E4=DF und liegen i.d.R.=20
Billigteleskopen bei oder sind entsprechend alt. Da sie oft auch von=20
minderer Qualit=E4t sind, kommt die Anschaffung dieser Okulare tendenziel=
l=20
nicht mehr in Betracht.
1,25" sind heute Standard und in allen Varianten und Preisklassen=20
erh=E4ltlich. Sinnvoll sind sie bis zu 28 - 32mm, wenn keine=20
Sonderverwendung gew=FCnscht ist, weil der maximal m=F6gliche Lichtdurchl=
ass=20
fl=E4chenm=E4=DFig von der Feldblende begrenzt wird. Die Feldblende (meis=
t in=20
der Steckh=FClse) ist bei diesem Steckma=DF maximal 27-28mm gro=DF und=20
erm=F6glicht bei Brennweiten um 30mm noch ein Standartgesichtsfeld von rd=
=2E=20
50 Grad, wie es z.B. Pl=F6sslokulare haben. Die Feldblende begrenzt das=20
m=F6gliche Gesichtsfeld, so das ein fiktives 80mm-Okular mit 1,25"=20
Steckma=DF zwar geringe Vergr=F6=DFerung, aber auch ein mikriges Gesichts=
feld=20
liefert und ein Tunnelblick entsteht. Niedrige Vergr=F6=DFerungen=20
(Brennweiten ab 28 - 32mm ) und gr=F6=DFeres Gesichtsfeld sind deshalb nu=
r=20
mit 2" zu realisieren. Ultrawide-Gesichtsfelder sind ab etwa 20mm=20
Brennweite bereits nur noch mit 2" und entsprechender Feldblende zu=20
realisieren.

Das Filtergewinde
Sowohl Planeten- als auch Deep-Sky-Beobachter werden irgendwann Kontrast =

steigernde Filter einsetzen wollen - besonders die letztgenannte Gruppe. =

Die Filterfassungen haben genormte Gewinde, die zum Gewinde der=20
Okularsteckh=FClse i.d.R. passen. Insofern ist meines Erachtens ein Okula=
r=20
ohne Filtergewinde nicht wirklich akzeptabel.

Der Augenabstand
F=FCr meine Begriffe ist komfortables Beobachten nur dann m=F6glich, wenn=
=20
der Abstand Auge zum Okular so gro=DF ist, das weder die Wimpern noch ein=
e=20
Brille die Linse ber=FChren. In Zahlen ausgedr=FCckt sind 8-9mm noch=20
annehmbar, 15-20 mm ideal. Brillentr=E4ger werden die Untergrenze=20
vermutlich etwas h=F6her ansetzen, insbesondere dann wenn man=20
Weitwinkelokulare nutzt und das gesamte Gesichtsfeld =FCberblicken will. =

Gerade Beginner werden tendenziell gr=F6=DFere Abst=E4nde vorziehen. Nach=
=20
meiner Erfahrung wird sich das mit der Zeit relativieren. Die zunehmende =

=DCbung und Gew=F6hnung ist m.E. ausschlaggebend daf=FCr.

Die Brennweite
G=E4ngige Okulare liegen zwischen 55 und 2mm Brennweite und decken so=20
nahezu alle Vergr=F6=DFerungsm=F6glichkeiten ab. Wie in der Rubrik Staffe=
lung=20
er=F6rtert, sollte die richtige Brennweite abh=E4ngig von Teleskop und=20
Einsatzgebiet gew=E4hlt werden.

Die Staffelung
Je weniger Geld man investieren m=F6chte oder kann, um so mehr Augenmerk =

sollte man auf eine praxisgerechte Staffelung der Okulare achten.=20
Gedanken an sch=F6n anzusehende Zahlenreihen wie 25, 20, 15 sollte man=20
verwerfen und sich stattdessen einzig an den jeweiligen erzielbaren=20
Vergr=F6=DFerungen und deren Einsatzgebiet orientieren. Nat=FCrlich spiel=
t das=20
verwendete Teleskop eine entscheidende Rolle.
Sinnvolle Staffelungen kann man bereits mit 4 bis 5 Okularen ereichen,=20
wobei die niederen Brennweiten tendenziell st=E4rker zu gewichten sind um=
=20
=F6fters die ideale Maximalvergr=F6=DFerung zu erreichen. Die Ober- und=20
Untergrenzen kann man gut anhand der Austrittspupillen festlegen. Die=20
Basisaussstattung w=FCrde ich pauschal zwischen Austrittspupillen=20
entsprechend der visuellen Grenzgr=F6=DFe mit blo=DFen Auge ( z.B. 5mag =3D=
5mm=20
AP) und 0,6mm AP w=E4hlen. F=FCr ein f/6 Teleskop w=E4ren dies dann 30mm =
- 3,5mm.
Damit hat man eine guten Rahmen f=FCr eine Einstiegsl=F6sung, die je nach=
=20
eigenen Vorlieben ggf. erweitert werden kann.
F=FCr Zwischenbrennweiten w=FCrde ich folgende Gedanken aufgreifen:
- Vergr=F6=DFerung zwischen 40 und 60fach, vorzugsweise Weitwinkel f=FCr =

offene Sternhaufen und gro=DFfl=E4chige Nebel
- AP 3,5-2,5 f=FCr Galaxien
- AP 2-0,8 f=FCr Kugelsternhaufen
- AP 1,5-0,6 f=FCr Planeten und Mond
F=FCr ein f/6 Teleskop ergeben sich z.B. 30mm, 18mm, 8mm und 5mm als=20
m=F6glich L=F6sung.

Die Austrittspupille (AP)
Bei langbrennweitigen Okularen ist die Beachtung der erreichten=20
Austrittspupille beim Einsatz wichtig. Sinnvolle AP sind zudem abh=E4ngig=
=20
von den Gegebenheiten am Beobachtungsort. Beobachtungen unter hellem=20
Stadthimmel mit 7 mm AP sind nicht gewinnbringend, da der=20
Himmelshintergrund entsprechend hell abgebildet wird und damit schwache=20
Kontraste verschluckt. Allgemein werden 7 - 8 mm AP als Maximum=20
betrachtet, welches das Auge erreichen kann. Die sinnvolle=20
Okularbrennweite ergibt sich in dem man die AP mit dem Kehrwert des=20
Teleskop=F6ffnungsverh=E4ltnisses multipliziert. So ergeben sich zum=20
Beispiel f=FCr ein f/5 Teleskop Okularbrennweiten von 35 bzw. 40 mm als=20
Obergrenze (7 bzw. 8 mm)
Auch bei kurzen Brennweiten verdient die AP besondere Beachtung, da eine =

Beobachtung mit zu geringer AP so genannte leere Vergr=F6=DFerungen erzeu=
gt.=20
So ergibt sich z. B. ein AP von 0,2mm bei Verwendung eines 2mm Okulars=20
an einem f/10 Ger=E4t. F=FCr ein klassisches 8" SC mit 2 Metern Brennweit=
e=20
w=E4re so rechnerisch die Vergr=F6=DFerung 1000fach zu erreichen, was in =
der=20
Praxis visuell nicht brauchbar ist. Im Allgemeinen geht man von 0,5mm=20
Minimum aus. In manchen F=E4llen findet auch mal eine AP von 0,4mm=20
Anwendung. Als Einsatzgebiet sind Mond und Planeten denkbar, besonders=20
bei kleinen Teleskopen mit guter Optik.

Die Linsenanzahl
Jede Linse schluckt einen Teil des Lichtes auf dem Weg zum Auge. Von=20
daher sind Viellinser i.d.R. gleichbedeutend mit einem erkennbaren=20
Lichtverlust, wobei die Qualit=E4t der Linsen mit entscheidend ist.=20
H=F6chste Qualit=E4ten sind inzwischen so gut, dass ein Transmissionsverl=
ust=20
kaum mehr bemerkt wird. Dies hat allerdings auch seinen Preis.

Das Gesichtsfeld
Bauart- und herstellerbedingt gibt es Varianten mit weniger als 40 Grad=20
und =FCber 80 Grad scheinbarem Gesichtsfeld. Je nach Teleskop und=20
Einsatzgebiet hat jede Variante Ihre Daseinsberechtigung, da die=20
=FCbergro=DFen Gesichtsfelder nur durch eine Kombination vieler Linsen=20
erreichbar ist, was sich mit der absoluten Sch=E4rfe auf der Achse nicht =

vereinen l=E4sst. So werden Planetenbeobachter eher absolute Sch=E4rfe un=
d=20
Transmission vorziehen, w=E4hrend der Deep-Sky Fan gr=F6=DFte Gesichtsfel=
der=20
genie=DFen will und mitunter braucht. Sch=F6ne Weitwinkeleindr=FCcke erre=
icht=20
man schon bei 60 - 65 Grad Gesichtsfeld. Diese Felder lassen sich auch=20
gut =FCberblicken. Das ist bei den Ultraweitwinkelgl=E4sern mit z. T. =FC=
ber=20
80 Grad nicht immer m=F6glich, allerdings ist der Spacewalk-Effekt, den=20
man so erh=E4lt f=FCr viele geradezu ein Traum. Zu unterscheiden ist das =

scheinbare Gesichtsfeld des Okulars und das wahre Gesichtsfeld am=20
Himmel. Hinweise zur Berechnung findet Ihr im Artikel "Grundlagen zur=20
Optik".

Die Verarbeitung (Verg=FCtung)
Hochwertigste Okulare besitzen eine Multiverg=FCtung auf allen=20
Linsenfl=E4chen und geschw=E4rzte Linsenkanten. Nur so erh=E4lt optimale =

Leistung ohne st=F6rende Reflexe. Abweichungen hiervon sind einhergehend =

mit geringer Leistungsf=E4higkeit und entsprechend geringen=20
Herstellungskosten. Schwache Kontraste, st=F6rende Reflexe und=20
Kidney-beaning sind mitunter die Auswirkungen nicht optimaler=20
Linsen/Okulare.

Das Teleskop
Unterschiedliche Teleskope erfordern mitunter unterschiedliche=20
Eigenschafen der Okulare. Besondere Anforderungen stellen die=20
schnelleren Newtonsysteme, da diese Teleskope konstruktionsbedingt=20
Abbildungsfehler am Bildrand zeigen. Dies wird von vielen Okularen=20
verst=E4rkt, so das nur ein geringer Bildteil sauber definiert bis hin zu=
=20
nutzbar ist. Das gleiche Okular kann hingegen bei einem f/10 Teleskop=20
eine perfekte Abbildung liefern. Das Okulardesign und die Auslegung=20
machen den Unterschied. Informationen hier=FCber findet man leider zu=20
selten bei den H=E4ndlern f=FCr meine Begriffe. Und dies, obwohl es=20
ausgesprochen wichtig ist und gerade schnelle Newtonsysteme aufgrund der =

Preisentwicklung f=FCr viele Amateure erschwinglich sind und auch gekauft=
=20
werden. Besonders Besitzer solcher Teleskope sollten sich hier=FCber gut =

informieren und auf keinen Fall auf einen vorherigen Test verzichten.

Das Gewicht
Gerade im Bereich der Einsteigerteleskope findet man leider immer wieder =

billigste Plastikokularausz=FCge, deren Stabilit=E4t nicht auf=20
schwergewichtige Okulare ausgelegt ist und damit Beobachtungsspa=DF=20
verhindern.
Das Gewicht kann gleichwohl bei den zunehmend beliebteren=20
Dobsonteleskopen eine Rolle spielen. Die Verwendung schwerer Okulare=20
kann, besonders bei einfacheren Chinager=E4ten durch die Hebelwirkung zu =

einem st=F6renden Ungleichgewicht auf der Drehachse f=FChren, so das sich=
=20
der Dobson langsam absenkt. Dem muss man dann mit Gegengewichten bis hin =

zu Verlagerung der Drehachse begegnen, eine Bastelarbeit, die nicht=20
jedermanns Sache ist. Andernfalls wird der Dobson die eingestellte H=F6he=
=20
nicht halten, was st=F6rende permanente Korrekturen nach sich zieht.

Die Barlowtauglichkeit
Viele Sternfreunde variieren die Vergr=F6=DFerungen durch Verwendung von =

Barlow-Linsen. Dies ist eine preiswerte M=F6glichkeit, bringt aber mit=20
sich, dass der Okularkonstruktion besondere Beachtung geschenkt werden=20
sollte. Manche Okulare erreichen Ihre Brennweite dadurch, das ein=20
Barlowelement bereits im Okular verbaut ist. Die Kombination mit einer=20
Barlow f=FChrt dann mitunter zu einer deutlichen Verschlechterung der=20
Abbildungsleistung, manchmal sogar zu einer nicht verwendbaren=20
Kombination. Auch dies gilt es m=F6glichst vor dem Kauf zu testen.
Auch deshalb kam ich im Laufe der Zeit zu dem Ergebnis, dass ich, wenn=20
immer m=F6glich, auf die Barlow verzichte und lieber ein Okular mit=20
gew=FCnschter Brennweite einsetze.

Eigene Vorlieben
Abschlie=DFend kommen noch eigenen Vorlieben hinzu, die bei der richtigen=
=20
Auswahl eine immense Rolle spielen. So ist der Augenabstand z. B. immer=20
wieder ein Thema das von Beobachter zu Beobachter subjektiv recht=20
unterschiedlich beurteilt wird. Auch leichte Bildeinf=E4rbungen werden vo=
n=20
st=F6rend bis angenehm beurteilt. Auch zeigt die Praxis immer wieder, das=
s=20
die Augen nicht nur auf Grund von Sehfehlern recht unterschiedlich sind=20
und somit zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Okularbeurteilung f=FC=
hren.

Die Okularauswahl, ein Thema um ein Buch zu schreiben. Insofern habe ich =

die Aspekte hier nur angerissen. Dennoch hoffe ich, dass meine=20
Anregungen eine Hilfestellung bei der Auswahl des richtigen Okulars sind.=

Denn die teuersten Okulare sind Fehlk=E4ufe.

Auf den Sinn von 2" Okularen sowie die Kombination Okular und schneller=20
Newton geht der Artikel Okuwahl spezial in besonderem Ma=DFe ein.=20
Weiterhin habe ich unter Okularwahl-Raster eine kleine Okularkunde und=20
ein grobes Auswahlraster eingestellt um die Okularfrage abzurunden.

=DCber Hinweise, Anregungen aber auch konstruktive Kritik w=FCrde ich mic=
h=20
freuen.

=A9 2004 Antares

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